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Werdegang des Vereins

Am 23. Oktober 1884 trat in Ichenhausen eine Schar Männer zusammen und gründete den Turnverein Ichenhausen. Die vom Geist Friedrich Ludwig Jahn's erfüllten Männer Ichenhausens verschrieben sich dem Wahlspruch des Turnvaters: "Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei!" zur Pflege der Leibesübungen durch Turnen, Sport und Spiel mit gleichzeitiger Pflege der Kameradschaft, der Geselligkeit und des Frohsinns.

Bekanntlich hatte Turnvater Jahn im Jahre 1811 auf der Hasenheide in Berlin den ersten Turnplatz eröffnet und das erste Turnfest abgehalten. Damit rief er die Turnbewegung im damaligen "Deutschen Reich" ins Leben.

Der erste Vorsitzende des Turnvereins Ichenhausen wurde Hauptlehrer Julius Thalmann, der den Verein auch bis zu seinem Tode im Jahr 1909 führte.
Die turnerische Leitung lag ab 1886 in den Händen von Gottlieb Stiegele.
Von 1896 bis 1906 war Josef Emminger Turnwart, ab 1900 zusammen mit Michael Eberle. Dieser übernahm schließlich 1906 ganz die turnerische Leitung und führte sie über Jahrzehnte fort.
Später zeichnete sich Josef Volk als zweiter Turnwart aus, der sich vor allem dem Frauenturnen widmete.
Die Übungsabende fanden in der Faßhalle von Goßner statt.
Herbergsvater, so nannten die Turner damals ihren Vereinswirt, war Mundbrod.
1897 gingen dann die Turner für ständig ins "Weiße Roß", wo ihnen auch der Saal zur Verfügung stand. Trotzdem mussten die Hallen- und auch die Platzverhältnisse immer noch als primitiv bezeichnet werden.

All diese Männer verhalfen dem Verein zu einer großen Blüte. Bereits im Jahr 1890 weihte der junge Verein seine Fahne.
Mit einem großen Gauturnfest, dem ersten in Ichenhausen, wurde dies feierlich begangen. Dabei stellte der Turnverein die einzig anerkannte Musterriege des Gaues.

Die Bestrebung nach einer eigenen Turnhalle und dazugehörigem Turngarten begannen schon im Jahre 1901. Immer wieder tauchten Projekte auf, wurden auch teilweise in die Tat  umgesetzt, bleiben aber ein Notbehelf.

In den Jahren 1908 und 1909 brachten die Turner eine ganze Reihe von Erfolgen nach Hause.
Dies spornte den Verein an, den Bau einer Turnhalle Realität werden zu lassen.
Fünf Jahre dauerte die Planung zm Bau der "alten Turnhalle" an der Ettenbeurer Straße.
Am 21. Februar 1912 beschloß der Turnverein, selbst eine Halle zu bauen. Bereits vorher erklärte der Magistrat, wegen der knappen Finanzverhältnisse ein solches Projekt nicht realisieren zu können.

Der Turnverein hatte bereits im Jahre 1911 4.000 Mark gespart. Die Gemeindeverwaltung bewilligte einen Zuschuß von 3.000 Mark und stellte außerdem noch den Platz zur Verwirklichung des Vorhabens zur Verfügung.
Doch der Turnhallenneubau verlangte von den Turnern weitere Opfer ab. Sie mußten noch 5.000 Mark als Kredit aufnehmen, ehe sie Turnhalle und Turnplatz im Rahmen des Gauturnfestes am 16. und 17. August 1913 einweihen konnten.

Dies war der Höhepunkt des turnerischen Lebens in Ichenhausen vor dem ersten Weltkrieg. Im Jahre 1914 wurde noch eine Damenriege gegründet, doch wurde es infolge des Krieges merklich still in der Halle und auf dem Platz. Turnwart Eberle führte den Turnbetrieb so gut es eben ging auch in den Kriegsjahren fort; den Auftrieb bekam der Verein aber erst wieder im Jahre 1920.
Die Ichenhauser Turner konnten viele Erfolge verzeichnen und feierten 1925 im großen Rahmen ihr 40-jähriges Gründungsfest, bis dann der zweite Weltkrieg wieder alles zunichte machte.

In den Jahren seines Bestehens hat der Turnverein aber nicht nur das Turnen gepflegt.
So bestand schonmal eine Radsportabteilung. Auch wurde sehr intensiv Faustball und Handball gespielt.
Ebenfalls das Fußballspiel, das damals noch nicht so populär war, wurde betrieben, bis sich 1920 der ganze damalige Fußballclub als Fußballabteilung dem Turnverein angliederte.
1914 begann aus der Damenriege heraus das Tennisspiel.
Ende der zwanziger Jahre entstand eine Schwimmriege. Diese stand bald in solchem Ansehen, daß Schwimmwart Josef Enzler und der Verein das erste Gauschwimmen, das überhaupt stattfand, in Ichenhausen ausgetragen wurde.

Der Aufbau 1947

Am 3. März 1947 setzten sich heimatvertriebene und einheimische Turner zusammen und faßten den Beschluß, den Turnverein erneut ins Leben zu rufen.
Am 8. April 1947 wurde der Landrat um Genehmigung zur Aufnahme des Turn- und Sportbetriebes gebeten.

Es ist vor allem der treibenden Kraft von Theodor Söhner zuzuschreiben, daß der Neubeginn vonstatten ging. Theodor Söhner übernahm dann auch den 1.Vorsitz, wobei ihm Turnwart Willi Siegel zur Seite stand. Bereits ein Jahr später übernahm dann Josef Enzler bis 1953 die Leitung des Vereins.

Ebenfalls entscheidenden Anteil am Aufbau im Jahre 1947 bei TVI hatte unser verstorbenes Ehrenmitglied Margit Finkele, wobei auch später ihr Ehemann Hans in die Vereinsarbeit eingebunden war.

Hans Finkele führte dann auch mit Erfolg den Verein als 1.Vorsitzender von 1973 - 1981.
Aber auch die Finkele-Töchter Birgit, Astrid und Sigrid waren für den TVI als Vorturnerinnen engagiert tätig.
Sehr bald entwickelte sich der Turnverein zu einem modernen, der Zeit angepassten Verein für Leibesübungen. So entstand neben der Männer-Turnriege auch eine Frauengruppe, die von den Turnwarten Willi Siegel und Rudolf Mettel geführt wurden.
Als Turnwart Siegel krank wurde, übernahm Margarete Scherber die Frauenriege.
Willi Schubert und Ottmar Siegel - der Sohn des verstorbenen Willi Siegel - führten die Männer-Turnriege weiter.

Das Kinderturnen wurde von Rudolf Mettel und Margit Finkele aufgebaut.
Willi Schubert übernahm dann die Funktion eines Oberturnwarts.

Bereits Ende der 40er und Anfang der 50er-Jahre nahmen die Turnerinnen und Turner des TVI an den ersten Sportfesten teil.
Die Fahrten zu den Sportfesten wurden damals auf Grund der noch nicht vorhandenen oder äußerst schlechten Verkehrsverbindungen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Fuhrwerk durchgeführt.
Für weitere Entfernungen stellten die Ichenhausener Geschäftsleute ihre Firmenfahrzeuge selbstlos zur Verfügung.
Besonders ist hier hervorzuheben, der "SINALCO-Bus" unseres verstorbenen Ehrenmitgliedes Alfred Städele.
Im Jahre 1953 übernahm dann der frühere aktive Turner Josef Emminger den Vorsitz im Verein und hielt das Ruder bis 1971 fest in der Hand.
Ihm gelang es, den Verein weiter nach oben zu führen und dem Turnverein zu einem beachtlichen Ansehen zu verhelfen.

Am 23. Mai 1954 feierte der Turnverein von 1884 Ichenhausen sein 70-jähriges Gründungsjubiläum mit einem Festabend im Saal des Hotels "Weißes Roß".

Am 2. April 1955 übernahm Günter Radloff die Funktion eines Volksturnwartes und hatte Sitz und Stimme im Turnausschuß. Es baute im Laufe der Jahre eine starke Jugendturngruppe auf, die anläßlich des 75-jährigen Gründungsjubiläums am 18./19. Juli 1959 mit einer beachtlichen Stärke und guten turnerischen Vorführungen auftrat.
Auch die von Margit Finkele aufgebaute Mädchengruppe konnte bei den Festvorführungen begeistern.
Aus Anlaß des Gründungsfestes hatte der TVI das 6. Gauturnfest übernommen. Bei herrlichem Wetter wurde es zu einem eindrucksvollen Fest mit einem Festabend im Festzelt und einem Umzug durch die Stadt.
Die Bevölkerung nahm großen Anteil am Gauturnfest.

Ein großer Erfolg für die Turnabteilung des TVI war der endgültige Gewinn des Wanderpokals des Turngaues Iller-Donau im Jahre 1965 als Gausieger und Vereinsmeister der Gruppe A, den Oberturnwart Günter Radloff beim Gauturnfest in Krumbach stellvertretend in Empfang nehmen konnte.
Mit teilweise sehr gutem Erfolg nahmen die Turnerinnen und Turner, sowie die Leichtathleten an den Gauturnfesten teil.
Das 16. Gauturnfest des Iller-Donau-Turngaues wurde anläßlich des 90-jährigen Jubiläums des Turnvereins unter der Schirmherrschaft von Landrat Dr. Georg Simnacher in Ichenhausen ausgerichtet.
Höhepunkt war der Festabend in der städtischen Turnhalle.
Doch auch bei den Bezirks- und Landesturnfesten war der TVI vertreten, wobei die TVI'ler gute Platzierungen erzielen konnten.

An den "deutschen Turnfesten", die nur alle 5 Jahre stattfinden, waren Turnerinnen und Turner des TVI ebenfalls beteiligt.

Coburg, Essen, Berlin, Stuttgart, Hannover, Frankfurt, Berlin, Dortmund und Hamburg waren die Stationen der deutschen Turnfeste.

Die deutschen Turnfeste, bei den Turnerinnen und Turnern immer ein Höhepunkt im Sportlerleben, - wobei an den letzten Turnfesten sage und schreibe 100.000 Sportlerinnen und Sportler teilnahmen - waren für den TVI immer erfolgreich. Zu nennen ist hier unser Ehrenmitglied Günter Radloff, der seit 1960 in Coburg bis zum letzten deutschen Turnfest alle Turnfeste mit großem Erfolg und vordersten Platzierungen mitmachte.